Heiner Labonde Verlag & Mediakontor
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Das Gewicht der Bücher

Zweifellos: Wir leben in einer Zeit und Welt medialer Reizüberflutung. Die beständige Bestürmung von Auge und Ohr mit Nachrichten und Sensationen immer geringerer Halbwertzeit tragen eher zur Irritation bei, als dass sie Halt und Orientierung bieten. Computerspiele ersetzen die reale Welt und die Auseinandersetzung mit ihr, Chat-Räume bewahren vor Aug’-in-Aug’-Gesprächen, vor Verantwortung und Gefühl. Wunderbare virtuelle Welt der persönlichen Gettoisierung?

Und die heile Welt des Buches? Auch hier lauter Rekorde beim Ausstoß bedruckten Papiers. Der Leim am Rücken des Buches zum aktuellen Skandal oder Kultthema ist noch nicht trocken, da steht der Termin zur Verramschung schon fest. Mehr Auflage für weniger Lesewillige und Lesefähige? Printergüsse als Fastfood mit begrenztem Nährwert haben Konjunktur.

MP3 versus Novalis? Satelliten-Decoder versus Lenz? Berechtigter Einwurf: Falsch postulierte Gegensätze! Natürlich haben alle Medienformen (aber längst nicht alle Inhalte) ein Sinn-Potential/eine Qualität: Der sinn-volle Gebrauch ist das Entscheidende!

Und dann will dieser kleine Verlag also auch noch seinen Tropfen Öl ins Feuer dieses nutzlosen, gar schädlichen überflüssigen Überflusses gießen?

Natürlich Ja! und natürlich Nein!

Das Schreiben ist eine wunderbare Möglichkeit, sich Mitzuteilen, ist Selbstreflexion und regt zur Reflexion beim Lesenden an. Von ihrer Natur her ist die Tätigkeit des Schreibens und des genussvollen Lesens ein eher tempomäßig bedächtiges Tun – und ein eher aktives und aktivierendes Erlebnis denn ein optisch-akustisches passives Konsumieren.

Und der Mensch hat dem Menschen noch immer viel Berichtenswertes mitzuteilen! Das muss gesichtet werden, das muss in Form gebracht werden. Und das muss beileibe auch nicht alles zwischen Buchdeckel gepresst werden! Auch hier kommt Kunst von Können und nicht von Wollen, auch hier muss die Welt nicht an allen Betroffenheitswallungen teilhaben, die im Tagebuch oder Zwiegespräch besser aufgehoben sind.

Gleichwohl gibt es immer neu Texte, die dem Leser auch immer wieder neu eine Welt eröffnen, den Horizont erweitern, ihn Staunen lassen, ihn schlicht erfreuen. Texte, die ihm persönlich etwas sagen.

Wenn neue Sterne den Himmel erleuchten sollen, dann müssen sie sich auch entfalten können …

 

 

Übersicht

Klaus Hundgeburt:

Das Rabenbuch / erwiderung

Texte und Gedichte

Grevenbroich 2003, 112 Seiten

12,80 €, ISBN 3-937507-01-9


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